Hallo martini und all die anderen,
habe den Beitrag erst heute gesehen. Mein Sohn ist 5 1/2 Jahre alt und hat Diabetes Typ 1 seit diesem Jahr März.
Ich wußte anfangs noch nicht einmal den Unterschied zwischen Typ1 und 2, die meisten Berichte drehen sich auch eher um Typ 2 Diabetes.
Den Link von MichaelaK und die Ausführungen von Cat_Max fand ich sehr zutreffend.
Zu den Transplantationen kann man nur sagen, dass die Ärzte gerade erst beginnen so etwas am Menschen zu testen. Es müssen auch ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Genauso wird getestet Insulin zu inhalieren. Aber was ist bei einer Erkältung? 90% des Insulins "verschwindet" auch bei dieser Art er Einnahme.
Ich würde mich jetzt nicht an solchen Forschungsberichten festhalten, vieles wird auch nur für Typ 2 erforscht.
Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit. Ein Kind kann damit sehr gut leben und wir (als Familie) auch. Ich könnte wesendlich schlechter damit umgehen, wenn mein Kind Krebs hätte oder eine andere schlimme Krankheit.
Den Diabetes kann man behandeln und es wird ständig geforscht.
Unser Leben hat sich aber dadurch schon auf den Kopf gestellt.
Was eigentlich so schwierig ist, ist die Über- oder Unterzuckerung durch die Konstellation Spritzen und Essen.
Dazu muss man auch noch wissen, dass nicht nur das Essen den Insulinbedarf bestimmt. Faktoren wie z.Bsp. Sport, Aufregung, Stress, Hormone, Krankheit spielen da auch eine Rolle.
Beim Sport wird mehr Zucker aus dem Blut transportiert, d.h. Kohlenhydrathe müssen ergänzt werden. Bei meinem Sohn steigen dafür wieder die Werte drastisch wenn er krank ist.
Vermutlich wurde das Mädchen von dem martini spricht auf eine konventionelle Therapie eingestellt. (Mein Sohn ist das jedenfalls)
Das Insulin wird z.Bsp. morgens und abends gespritzt und aus der Menge des Insulins ergibt sich eine bestimmte Anzahl an Kohlehydrathe die gegessen werden muss.
Bei uns z.Bsp.
Früh: 3 BE, Frühstück: 3BE, Mittag: 4BE, Nachmittag: 2BE, Abends: 3BE, Spät: 2BE
Das hört sich schwieriger an als es ist. Man hat das ziemlich schnell raus. Gezählt werden nur Kohlenhydrate. Fleisch, Wurst, Gemüse, Light-Getränke zählen gar nicht.
Sind die Kinder älter, wird gegessen und danach gespritzt. D.h. man muss wissen wieviele Kohlenhydrate man gegessen hat und danach das Insulin berechnen. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit eine Insulinpumpe zu tragen, die nach korrekter Einstellung die benötigte Menge an Insulin abgibt.
Die Umstellung im Kindergarten ging ganz problemlos. Ich habe eine Waage mitgenommen und anfangs haben die Erzieherinnen Kartoffeln, Reis und Nudeln abgewogen. Nach einer Weile wußten sie die Mengen. Aufpassen mussten sie nur das er möglichst alles aufißt (weil er ja die dafür vorgesehene Menge gespritzt bekommen hat) ggfls. auch mal ein Nahrungsmittel austauschen.
Es ist schön das Essverhalten im Kindergarten zu überdenken, aber mit Diabetes (Typ 1) hat das nun nichts zu tun. Mein Sohn ist sehr dünn und er ißt ganz normal seine Schokolade oder Gummibärchen (etc.). Wichtig ist nur der Zeitpunkt wann er es isst. (Z.Bsp. mal als Zwischenmahlzeit oder Nachtisch wenn er möchte) Letztendlich könnte er auch mal "Riesenberge" davon essen, wenn man anschließend mit der entsprechenden Insulinmenge korrigieren würde. Aber das ist ja nicht sinnvoll.
Das Essverhalten zu überprüfen lohnt sich aber sicherlich für übergewichtige Kinder.
Wenn er mal eine Süßigkeit essen möchte und es ist gerade der falsche Zeitpunkt, läßt er sich meistens vertrösten, da die Essensabstände ja recht kurz sind.
Jetzt in der Vorschule (seit 3 Tagen

) war es schon ein bißchen aufwendiger mit den Vorbereitungen.
Ich muss auch sagen, das durch Unwissenheit viele Ängste und Unwahrheiten verbreitet werden. (Das ging mir damals aber genauso)
Wir werden hier in Berlin aber SEHR gut vom Virchow Klinikum betreut und so ist eine Diabetologin in die Schule gefahren und hat die Vorschullehrerinnen geschult.
Natürlich wird es immer ein grosser Aufwand sein ihn z.Bsp. bei Klassenfahrten problemlos mitfahren zu lassen. Es gibt aber viele Selbsthilfegruppen in den verschiedensten Bundesländern, die gerade für Kinder mit Diabetes viel tun. Bei uns ist das der BFJD.
http://www.bfjd.de/
Es werden Fahrten, Spiel und Spass für die Kinder organisiert und natürlich auch Schulungen für Kinder und Eltern.
Es ist sehr wichtig für die Kinder auch andere Kinder kennenzulernen die diese Krankheit haben. (Übrigens auch schon als Baby....)
Eine tolle Seite für Kinder und Eltern ist auch
http://www.diabetes-kids.de/
Ich bin froh und dankbar, dass ich in Deutschland lebe wo mein Sohn behandelt werden kann. Es ist auch in hier erst seit den 30er Jahren möglich Diabetes zu behandeln. Ohne Behandlung würden die Kinder langsam in ein Koma fallen und sterben.
Es gäbe noch soooo vieles zu berichten.....
Wenn Ihr Fragen habt, stellt sie mir doch einfach.
Gruss
Anja